Touristiker und Hotelbetreiber entscheiden über Servicestandards, Personal und Preise. Kulturmanager entscheiden über Künstler, Kunstwerke, Projekte. Beide ermöglichen somit Anregungsarenen für Freizeit bzw. Kunst. Gleichzeitig verunmöglichen sie aber auch diese. Nämlich die, für die sie sich nicht einsetzen können oder wollen. Entscheider tragen damit eine besondere Verantwortung gegenüber der Inszenierung, dem Künstler, dem Publikum oder Besucher. Egal wie man sich entscheidet, es bleibt die Verantwortung für die getroffene Entscheidung. Denn mit der Entscheidung geht auch immer die Unsicherheit einher, ob es die richtige Entscheidung war, die man getroffen hat.
Deshalb bereitet es oft tagelanges Kopfzerbrechen, bis die richtige Entscheidung gefunden ist. Nicht von ungefähr kommt der Begriff Entscheidung vom griechischen krisis, was eine problematische, mit dem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation bezeichnet. Interessanterweise meint das chinesische Wort für Krise zum einen Gefahr, zum anderen aber auch Gelegenheit.
ICC hilft bei schwierigen Entscheidungsfindungen und gibt strukturierte, ethische Entscheidungsgrundlagen.
Aus systemtheoretischer und damit prozessorientierter Perspektive ist eine Entscheidung eine Unterscheidung zwischen vorher und nachher. Vor der Entscheidung hat man noch alle Möglichkeiten. Nachdem jedoch eine Option durch das Nadelöhr der Entscheidung gezogen wurde, befindet man sich in jener Wirklichkeit, für die man sich entschieden hat: Die Entscheidung nimmt einen in der Tatsache gefangen, die man erst durch die Entscheidung schuf. Heinz von Foerster kommt so zu seinem viel zitierten kybernetischen Imperativ: "Act always so as to increase the number of choices." Der kybernetische Imperativ liegt nahe am ökologischen Prinzip der Nachhaltigkeit, das von Hans Carl von Carlowitz schon im Jahr 1713 formuliert wurde. Systemtheoretisch interpretiert bedeutet Nachhaltigkeit, dass das System seine Umwelt so behandelt, dass es langfristig seine Ressourcen daraus beziehen kann. Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist daher ein vorausschauender Egoismus, mit dem Wissen darum, dass das System nur in einer intakten Umwelt lebensfähig ist.